Bundesweite Vereinigung der Künstlerinnen und Künstler

Neuigkeiten rund um den Verein KUNSTREICH IM POTT e.V.

Bundesweite Vereinigung der Künstlerinnen und Künstler

Beitragvon Christoph Rammacher » Fr 4. Mär 2011, 03:18

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auf der Versammlung am 27.2. in der Schule der Phantasie in Duisburg wurde unter den Beteiligten ausgemacht, dass es an der Zeit ist, uns bundesweit zu vernetzen. Das Nahziel sollte sein, geschlossen sich gegenüber der YMSD und deren vorläufiger Insolvenzkanzlei zu positionieren, uns gegenseitig Info und Hilfe in rechtlichen Fragen zu geben, was ja schon Bestens am Sonntag funktioniert hat. Darüber hinaus sollten wir diese Krise als Chance nutzen und einen Zusammenschluss Disziplin übergreifend wagen. Ingo Stanelle hat dieses Forum zur schnellen Komunikation zur verfügung gestellt, dass von allen Interessierten gelesen und mit Infos gfüttert werden kann. Zum Schnellstart hat Katia Huberty angeboten, eine neue Abteilung in ihrem bereits bestehenden Verien einzurichten, was sehr begrüßenswert ist, angesichts der Notwendikeit schnellen, gemeinsamen Handelns.

Unabhängig von dieser organisatorischen Notwendigkeit zum Start möchte ich Euch einige Gedanken vermitteln, die sich mit auftretenden Problemen unserer zukünftigen Organisation und einem Lösungsvorschlag befassen. Und da sind wir schon beim ersten Knackpunkt: Verein?! Vorstandshierachie?! Untätige Mitglieder?! Das kennen wir alle nur zu gut und es ist deshalb notwendig, präziese zu erarbeiten, wie wir eine Organisationsstruktur uns schaffen, die andere Wege wählt.

Aus meiner Sicht liegt der Fehler bereits im System "Verein". Da gibt es zwar ein demokratisch gewähltes Gremium, aber nach der Wahl bleiben die Gremiumsmitglieder meist allein mit der Arbeit. Warum? Weil die meisten WählerInnen mit der Abgabe ihrer Stimme auch ihre Verantwortung für das Ganze abgegben haben. Die hat ja jetzt der Vorstand übernommen. Das einfache Mitglied zahlt seinen Beitrag und genießt die Errungenschaften/Einrichtungen/Leistungen. Arbeitet der Vorstand empatisch, kann es sein, dass er meist nach einer Wahlperiode den Frust hat, weil er sich aufreibt, aus dem Mitgliederpool wenig oder keine Unterstützung kommt (warum auch, die haben ja die Anderen gewählt. damit die den Laden in Schwung halten). Ein Folge kann sein, dass die Mitglieder des Vorstandes sich ihre Vereinsarbeit über Gebühr aus dem Vereinsvermögen honorieren lassen, um diesen Frust zu kompensieren. Da so ein Vorstand in der Regel für mehrere Jahre gewählt ist, kann es lange dauern, wenn sich die destruktiven Strukturen einmal etapliert haben, bis wieder frischer Wind durch die Köpfe weht. Im schlimmsten Fall war das Erreichen eines Vorstandpostens ein nur vordergründiges Ziel. Hintergründig ging es um Egopolitur und persönliche Bereicherung zum Schaden der Allgemeinheit der Mitglieder. Eine Person auswählen bedeutet sie über den normalen Status eines Mitgliedes zu erheben. Die Position der gleichen Augenhöhe wird bereitwillig aufgegeben, weil man jetzt seine Belange an eine "höhere Instanz"(die selbst geschaffen wurde) abgeben kann."Die werden das schon richten!" Wenn man das sich so anschaut, dann ist es die freiwillige Einahme der Position eines Kindes zu seinen Eltern. Es wird Führung und Weisung erwartet, aber auch Führsorge und umfassendes Kümmern zum eigenen Wohl.

Hier brauchen wir eine neue Vision. Meine Vision ist eine Organisation, die sich wie ein organischer Körper strukturiert. In dem Körper, den wir besitzen, ist Alles mit Allem vernetzt. Jedes Teil hat seine Funktion und Aufgabe und tut die, immer mit Blick auf die Gesamtstruktur. Alle Teile arbeiten hierarchielos und empatisch für die Erhaltung des Gesamtorganismus. Jedes Einzelorgan/Zelle verfügt auch trotz Spezialisierung über alle Informationen und weiß um den Status des Umfeldes und reagiert darauf unmittelbar und ohne den Befehl einer höheren Instanz abzuwarten. Jede Zelle ist aktiv involviert. Selbst so eine kleine Fettzelle hängt nicht einfach so rum, nein, sie beobachtet aktiv den Status des Körpers, um, wenn der Energiebedarf steigt, diese in Fettform bei ihr eingelagerte Energie ins System einzuspeisen und sobald wieder Ãœberschuss produziert wird, eine neue Energiereserve anzulegen.

Da haben wir die musischen, darstellenden,bildenden und die Wortkünstelerinnen und Künstler. Sie haben unter Umständen Unterstrukturen. Die einzelnen Mitglieder sind bundesweit miteinander vernetzt. Eine Struktur. Dann gibt es aber auch die Struktur der Regionen und Ballungsräume, in der wiederum Mitglieder unterschiedlicher Kunstdisziplinen miteinander arbeiten. Sind die Ballungsraumen reich bestückt, kann es wieder in dieser Struktur eine Formation von Einzeldisziplinen geben. Das Ziel sollte sein, dass jedes Mitglied einen sinnhaften Beitrag zur Aufrechterhaltung im Gesamtverband leisten will und kann. Da in jeder Struktur Leute sind, die mit einer oder mehreren anderen Strukturen kommunizieren, ist gewährleistet, dass allen die Gesamtübersicht zur Verfügung steht. Als dritte Struktur sind besondere Aufgaben anzusehen, wie z.B. Umgang mit Stiftungen, Verbänden, Komunen/Qualitätsmanagement/Methode der Selbstreflexion/Konsenstechniken/Gegen den Strom/Agent Provokateur/ Fülle und Ãœberfluss...., die sich wiederum aus den kleinen Einheiten bundesweit vernetzen. So ist gewährleistet, dass bei jedem Treffen mindestens eine Person anwesend ist, die einen Blick über den eigenen Tellerrand anbieten kann. Zur weiteren Verdeutlichung, worauf ich hinaus will, sei dieses Beispiel angeführt. Wenn man das Negativ einer holografischen Aufnahme eines Motivs in der Mitte zerschneidet und nur eine Hälfte belichtet, dann erscheint nicht wie bei einem herkömmlichen Negativ das Motiv nur zur Hälfte sondern ganz, nur etwas unschärfer, da nur noch die Hälfte der Informatinen vorliegen. Wenn man das holografische Negetiv viertelt, achtelt, kein Problem - auf dem durch das Viertel- oder Achtelteilstück belichteten Film wird das Motiv zwar unschärfer aber immer die ganze Aufnahme zu sehen sein. Die Vision ist eine transparente Organisationsstruktur, in der jedes einzelne Mitglied selbstbestimmt, auf gleicher Augenhöhe mit allen anderen Mitgliedern sinnhaft agiert. Das bedeutet zum Einen Aufbringung von Zeit und Leistung, Loslösung von alten Denkschematas (Ausgrenzung, KünstlerfürstIn, Elfenbeinturm, Bohème). Zum Andern endlich ein mutiges zu sich selber stehen und eigenverantwortlich handeln, gleichberechtigtes Zusammensein und lebendige Anteilnahme und echte Freiheit. Wir können eine Kraftstruktur(im Gegensatz zur derzeit noch vorherschenden Machtstruktur) entwickeln, die in die Zivilgesellschaft wirkt.

In meinen Projekten mit den Schulkindern geht es darum, sich zu Teams zusammenzuschließen, um Dinge zu kreieren, die größer sind, als es je ein Einzelkind hätte alleine hinbekommen können. Ich sehe jetzt, dass ich mir selbst auch diesen Fingerzeig gegeben habe. Ich wünsche uns allen jede Menge Mut und Durchhaltevermögen für die nächsten Jahre.

Herzliche Grüße aus Saarbrücken
Christoph
Christoph Rammacher
 
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Re: Bundesweite Vereinigung der Künstlerinnen und Künstler

Beitragvon Silke Eumann » Fr 4. Mär 2011, 08:46

Hallo Christoph

Danke für Deinen guten langen Beitrag.
Das ist auch mein Wunsch. Sehe erstmal nur die Problematik der Struktur rein rechtlich...aber das ist eben die Herausforderung neue Wege zu gehen. Auf.......

Grüße aus Essen, SIlke Eumann
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Re: Bundesweite Vereinigung der Künstlerinnen und Künstler

Beitragvon Sabine » Mi 9. Mär 2011, 18:21

Hallo lieber Christoph,
wir sind schwer beeindruckt von deiner Vorstellung und deiner Rethorik, über eine Vernetzung von uns allen.
Wie ein Organismus zu funktionieren ist wirklich traumhaft. Wir wissen nur nicht ob so etwas machbar ist. Schaffen wir es genügend Eigenverantwortlichkeit aufzubringen ? Ich brauche einkonkretes Ziel um aktiv zu werden ?
Wir machen uns weiterhin Gedanken und schreiben bald wieder. Bis dahin,
Sabine und Koxi
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Re: Bundesweite Vereinigung der Künstlerinnen und Künstler

Beitragvon Christoph Rammacher » Fr 11. Mär 2011, 03:46

Hallo Silke Eumann, Sabine und Koxi,

vielen Dank für Euren Beitrag. Silke Eumann schreibt:
"...Sehe erstmal nur die Problematik der Struktur rein rechtlich...aber das ist eben die Herausforderung neue Wege zu gehen." Zur rein rechtlichen Struktur kann ich mir vorstellen, da wir ja zum Start unter den Fittichen von Katia Hubertys IKARUS höchstwahrscheinlich auch mit einer Vereinsstruktur beginnen, dass wir alle uns in den Vorstand wählen. Es gibt dann z.B. ein(e)erste(n) Vorsitzende(n) und 40 StellvertreterInnen, die turnusmäßig halbjährig nach außen hin diese Funktion übernehmen. Dann wäre dem Rechtlichen Genüge getan. Entscheidend ist natürlich, wie wir intern miteinander umgehen. In den nächsten Sitzungen müssen wir thematisch in Gruppenarbeit da ran und einfach kreativ fabulieren und da bin ich mir sicher, dass wir so die Herausforderung bei den Hörnern packen und es werden bestimmt gute und machbare Ideen bei rauskommen. Meist ist etwas Neues nicht gleich machbar, weil es keine Erfahrungswerte damit gibt und man dann eher vorsichtig ist oder sogar ablehnend der Sache gegenübersteht. Jede/r muss sich selbst fragen, was es für Wahlmöglichkeiten gibt und ob man sich dafür entscheidet, ob das Glas halbleer oder halbvoll ist. Wenn es gelingt, aus einer neutralen Haltung heraus einer neuen Herausforderung eher positiv gegenüber zu stehen, dann ist der erste Schritt zur Lösung schon getan. Unser Gehirn hat eine offene Struktur und nur wenn wir beginnen, bestimmte Dinge mehr zu denken/handeln, werden die Verschaltungen, die dafür notwendig sind, immer mehr und und es bildet sich eine Ordnung/ein Muster haraus. Aus einer anfänglichen Mühe, die Konzentration auf das Neue zu halten wird mit der Zeit die Leichtigkeit einer Sache, die wie von selbst funktioniert und handelt. Durch das beharrliche Denken/Handeln in einer bestimmten gewünschten Art baut das Gehirn die dafür benötigte Struktur auf und baut sie immer besser aus, quasi vom Trampelpfad zur fetten Autobahn, von der Ideenskizze zum Prokatteppich. Zur Realisierung braucht es meiner Erfahrung nach:
-eine Vorstellung vom Ziel,
-von einer neutralen Position aus dem Gewollten positiv gegenüberstehen,
-Menschen, mit denen man sich über das Ziel austauschen kann (soziale Vernetzung),
-Geduld, Mut und Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, etliche eigene innere Schweinehunde "über die Wupper gehen zu lassen".
So gesehen also keine Hexerei, aber ich persönlich habe lange gebraucht um das für mich zu kapieren. Es ist ja nur meine Sicht auf die Dinge, wie ich es hier beschreibe und ich bin bereit, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Ich suche, um auf das vorher Geschriebene zurückzugreifen, meine soziale Vernetzung. Es ist mir eine innere Notdurft, in dieser Situation meine Ideen jetzt zu äußern und ich freue mich auf Diskussion und Austausch.
Die Frage, die sich jetzt stellt ist: gibt es Resonanz? Ist die Zeit reif, dann gibt es sie. Denn dann haben jede Menge anderer Leute den selben Wunsch, das selbe Ziel und dann werden aus Luftschlössern fassbare Dynamiken. Oder da ist nichts und ich habe ich mich vergallopiert und bin mal wieder der mit den komischen Ideen. Wenn ich mir das Treffen vom 27.2. in Erinnerung rufe, glaube ich, das die Stiftungsmisere die Resonanz gefördert hat, also das die Zeit reif ist.
Sabine und Koxi schreiben:
"....Wie ein Organismus zu funktionieren ist wirklich traumhaft" -Aus meiner Sicht ist es Realität. Nüchtern aber mit dem positiven Blick auf das Gesamtgeschehen verrichten in und um uns selbstorganisierende Strukturen ihren Job. Was ganz Natürliches.
"...Schaffen wir es genügend Eigenverantwortlichkeit aufzubringen ?" -In jeder Sekunde unseres Lebens sind wir in der Regel eigenverantwortlich, entscheiden uns das zu tun und das nicht und jede/r nach ihrem/seinem eigenen freien Willen (gilt im Besonderen für uns kreative Freiberufler). Die Frage ist, für was wir uns beim Aufbringen unserer Eigenverantwortlichkeit entscheiden. Leicht ist es weniger zu tun. Schwerer ist es den Hintern hoch zu kriegen und mehr zu tun. (Das beschreibt schön der zweite Hauptsatz der Thermodynamik aus der Physik: Wärme geht von einem wärmeren auf einen kälteren Körper über, es sei denn dem System wird von außen Energie zugeführt.) In einem hierarchischen System ist der Radius der Eigenveratworlichkeit und somit die Wahlmöglichkeit eingeschränkt, vielleicht darf man die Farbe der Schuhe eigenverantwortlich bestimmen. Alles ist vorhersehbar und geht seinen Trott, weil kein Einfluss auf das System ausgeübt werden kann und man hat Zeit, sich ins Paradies wegzuträumen. In einem freien System muss in jedem Augenblick eine sinnhafte Gegenwart unter Gleichen neu ausgehandelt werden. Es bedarf hellwacher Teilnehmer, die jederzeit in der Lage sind, in Verabredung mit ihrem Umfeld aus Utopien Realitäten zu erschaffen.
Ich hoffe, ich konnte Eure Bedenken etwas zerbröseln. Allein dadurch, dass Ihr auf meinen ersten Betrag geantwortet habt, habt Ihr meine zerbröselt.

Herzliche Grüße und Frühling!!!
Christoph
Christoph Rammacher
 
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Re: Bundesweite Vereinigung der Künstlerinnen und Künstler

Beitragvon Sabine » Fr 25. Mär 2011, 17:54

Hallo liebe ehemaligen MUS-E Künstler, hier noch mal eine Erinnerung an unser nächstes Treffen:
Sonntag, den 27.03.2011 um 14.00 Uhr
Der Sitzungsort ist diesmal : das KUNSTHAUS e.V. Rübezahlstr.33
45134 Essen. Der Künstler Hasan Kayar stellt seine Räumlichkeiten zur Verfügung.
Liebe Grüße
Sabine
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